Mit Tricks und Einfallsreichtum durch die kalte Jahreszeit

10. Januar 2016

 

Der Winter – harte Zeit für Daheimgebliebene

Unsere Langstreckenzieher haben sich rechtzeitig aufgemacht und warten jetzt in wärmeren Regionen den nächsten Frühling ab. Dabei sind sie nicht in erster Linie vor der Kälte geflohen. Zugvögel, darunter viele Insektenfresser, fliehen vor dem Nahrungsmangel. Im Winterquartier finden sie genug zu fressen, dafür hat die Reise Energie gekostet, von den Gefahren unterwegs ganz zu schweigen. Die Nahrungssuche ist die Hauptbeschäftigung der ausharrenden Vögel. Oberstes Ziel: so viel fressen, dass die Körpertemperatur auch bei grosser Kälte aufrecht erhalten werden kann. Wichtigster Kälteschutz ist das Federkleid aus locker aufliegenden Daunen und einer darüber liegenden Schicht aus Deckfedern. Was bei uns verpönt ist, sichert vielen Vögeln im Winter das Überleben: eine dicke Fettschicht als Energievorrat.

 

Foto: Marcel Burkhardt,, ornifoto.ch

 

 

Nahrung im Winter: es reicht für alle!

Körnerfresser mit einer Vorliebe für Pflanzensamen und Baumfrüchte finden fast ganzjährig passendes Futter. Buchfink, Grünfink, Kernbeisser und Gimpel sind Spezialisten im Knacken von Samen. Der Name des Kernbeissers kann als «Berufsbezeichnung» gelten! Die wenigen im Winter ausharrenden Distelfinken sind mit ihrem feinen Schnabel auf weichere Samen und Früchte von Disteln, Karden und anderen Stauden angewiesen.

Der Buchfink, die häufigste Brutvogelart der Schweiz, sucht seine Nahrung fast ausschliesslich am Boden. In Buchenwäldern wendet er gefallenes Laub auf der Suche nach den äusserst energiereichen Bucheckern. In Mastjahren, wo die Buche besonders viele Früchte tragen, überwintern grosse Schwärme von Bergfinken bei uns; es sind Wintergäste aus der Taiga.

Meisen sind Insektenfresser, was sich am dünnen und schmalen Schnabel ablesen lässt. Sie turnen pausenlos durch Sträucher und Bäume und suchen an Zweigen, in Rindenspalten und in Knospen Insekteneier und -puppen sowie Spinnen und Tausendfüssler. Im Herbst und Winter stellen sie ihren Speiseplan um und nehmen dann gerne auch fettreiche Samen und Früchte.

Für die Amsel und andere Drosseln sind beerentragende Wildsträucher die wichtigste Nahrungsquelle. Die begehrten Früchte des Vogelbeerbaums und des Schwarzen Holunders werden als erste gefressen. Die weniger beliebten Beeren von Schneeball, Liguster und Efeu bleiben oft bis Ende Winter hängen.

 

Winterfütterung ja – dann aber richtig!

Vögel sind an die schwierigen winterlichen Bedingungen angepasst und benötigen kein Zusatzfutter. Das vorrangige Ziel für den Erhalt einer artenreichen Vogelwelt ist die Schaffung und Erhaltung von vielfältigen und intakten Lebensräumen, die ein erfolgreiches Brutgeschäft ermöglichen! Bei Dauerfrost, Eisregen oder geschlossener Schneedecke kann eine sachgemässe Fütterung den Kleinvögeln im Siedlungsbereich aber das Überleben erleichtern. Futterstellen bieten ausserdem eine gute Gelegenheit, Vögel aus der Nähe zu beobachten und ermöglichen somit schöne Naturerlebnisse. Aber was heisst denn richtige Winterfütterung?

  • Nur qualitativ einwandfreies Futter verwenden; Gewürztes, Essensreste oder Brot gehören nicht dazu.
  • Wählen Sie Mischungen aus, die ganz oder grösstenteils aus Sonnenblumenkernen und Hanfsamen bestehen.
  • Das Futterhäuschen sollte so konstruiert sein, dass die Vögel sich nicht ins Futter setzen und hineinkoten können. So wird vermieden, dass die Vögel Krankheiten untereinander verbreiten.
  • Darauf achten, dass in der Nähe des Futterhauses Bäume oder Sträucher stehen, damit sich die Vögel bei Gefahr zurückziehen können.
  • Die Futterstelle so platzieren, dass sie im Umkreis von 2 bis 5 m frei steht, damit nicht Feinde, wie z. B. Katzen, den Vögeln auflauern können.

 

Christoph Vogel, Naturschutzverein Zofingen