Vierbeiniger Poltergeist: der Steinmarder

10. November 2016

Wer «Raubtier» hört, denkt spontan an Löwe, Tiger und Leopard, vielleicht auch an Bär, Luchs und Wolf. Es geht auch bescheidener. Ohne es zu wissen, teilen wir unseren Lebensraum mit Raubtieren, die etwas weniger spektakulär sind. Die Rede ist von Marder, Iltis, Dachs und Wiesel. Diese geben wenig her für starke Rollen in Sage, Märchen und Film. Auch die Forschung liess die Marderartigen lange links liegen. Erst technologischer Fortschritt mit Infrarotgeräten, Fotofallen und Minisendern brachte Licht in die Lebensweise dieser lichtscheuen Gesellen.

 

Steinmarder

Der Steinmarder ist die häufigste Art der Familie Marder. Er nutzt alle Lebensräume mit genügend Verstecken und ausreichender Nahrung: halboffene Landschaften mit Weilern und Einzelgehöften, Wiesen und Kulturen, bewaldete Gebiete sowie Siedlungen. Beobachtungen von Steinmardern sind zufällig und meist überraschend. Wer spätabends von einer fröhlichen Runde keimkehrt oder sehr früh zur Arbeit geht, hat die grössten Chancen. Der Steinmarder ist etwa katzengross und wiegt 1 bis 2.5 kg. Was wir nachts gerade noch erkennen, ist ein langgestrecktes Tier, das sich blitzschnell von einer Deckung zur andern bewegt. Weitere Merkmale sind wenig hilfreich; wer wird bei einer nächtlichen Begegnung sehen, dass der Nasenspiegel rosa bis hellbraun ist, dass die Sohlenballen fast kahl sind?

 

Hausmarder

Der Steinmarder trat ins Scheinwerferlicht menschlicher Aufmerksamkeit, weil uns dieses Kleinraubtier immer wieder zu nahe kommt. Während der Ranzzeit, Ende Juni bis Mitte August, durch kratzende Geräusche, Schreie, Herumpoltern in Estrichen, Dachstöcken, Scheunen und Gartenhäuschen. Er richtet sich gern in Isolationen ein, platziert an exponierten Stellen seinen langgezogenen Stink und schleppt auch mal einen kleinen Liebling weg, z. B. ein Meerschweinchen. Die Mehrzahl der Steinmarder-Verstecke liegt im Innern von Gebäuden, gerne in hoch gelegenen, kaum benützten Räumen. Das Nahrungsspektrum ist sehr breit für einen Carnivoren (lat. für Fleischverzehrer): kleine Säugetiere, kultivierte und wildwachsende Beeren und Früchte, Regenwürmer, Insekten, Vögel und deren Eier.

 

Automarder

Im Jahre 1978 häuften sich in Winterthur Anzeigen gegen unbekannt wegen Schäden an Autos. Die polizeiliche Überwachung identifizierte nicht einen Autohasser als Täter, sondern – den Steinmarder. Da in jener Zeit die Zahl der Fahrzeuge stark zugenommen hatte, wurden auch Autos in den Alltag dieses neugierigen und lernfähigen Tiers einbezogen, und als Spielzimmer, Deckung, Unterschlupf und für Markierungen genutzt. Besonders lästig wurde die Unsitte, Kabel, Schläuche und Isolationen zu zerbeissen. Studien können diesen Tick noch nicht abschliessend erklären. Vielleicht ist es einfach Ausdruck des natürlichen Erkundungs- und Spielverhaltens. Vor allem junge Marder untersuchen ihre Umgebung und testen alles mit den Zähnen. Dieses Verhalten ist auch von anderen Raubtierjungen bekannt: Hundewelpen zerbeissen mit grosser Lust alles, was weich ist und dennoch einen gewissen Widerstand bietet. Und die anderen Arten der gleichen Familie wie Baummarder, Iltis und Wiesel? Darüber erfahren Sie mehr an einem Vortrag!

 

Gerne laden wir Sie ein zum Vortrag «Marder, Iltis und Wiesel – heimliche Mitbewohner, grosse Jäger» von Dr. Cristina Boschi, Stiftung WIN Wieselnetz, Gränichen Donnerstag, 10. November 2016, 19:30 Uhr im Bürgersaal des Rathauses Zofingen. Der Eintritt ist kostenlos; Nichtmitglieder sind ganz herzlich willkommen!