Generalversammlung/Vortrag

Donnerstag, 16. Februar 2012

Ein Garten für Schmetterlinge
Wer möchte nicht gerne Schmetterlinge im Garten oder auf dem Balkon haben? Schmetterlingen eine Lebensgrundlage im Siedlungsraum zu schaffen, setzt Kenntnisse über die Lebensgewohnheiten der einzelnen Arten voraus. Schmetterlinge können während ihres Entwicklungszyklus vom Ei über die Raupe und Puppe zum Falter unterschiedliche Ansprüche haben. So leben viele Schmetterlinge als erwachsene Falter vom Nektar bestimmter Blüten, manche auch vom Saft, der aus Baumwunden austritt oder von dem des Fallobstes. Im Raupenstadium dagegen ernähren sie sich oft von anderen Pflanzen.

Gedeckter Tisch für Falter und Raupen
Mit einem naturnahen Garten und einheimischen Wildpflanzen fördern wir Schmetterlinge am meisten. Ob Bäume oder Sträucher, Blumen oder Gräser, die hiesige Flora bietet Faltern und vor allem ihren Raupen die Lebensbasis. Schmetterlinge brauchen nicht nur bunte Blüten und Eiablagepflanzen. Lebensraumvielfalt ist ein wichtiges Ziel für den Schmetterlingsgärtner.

Schmetterlinge sind Feinschmecker
Die meisten Schmetterlinge verbringen nur einen kleinen Teil ihres Lebens als farbenprächtige Falter. Wer in seinem Garten Schmetterlinge haben will, muss den Raupen ein Zuhause bieten. Raupen sind oft sehr wählerisch: Viele Arten sind auf eine ganz spezifische Futterpflanze angewiesen, und diese Futterpflanze muss das richtige Alter haben und darf weder zu früh noch zu spät geschnitten werden. Wer in seinem Garten seltene Schmetterlinge finden will, wird mit Sicherheit enttäuscht.

Schmetterling sucht Blüte – und umgekehrt

Die meisten Schmetterlinge leben tatsächlich von und für Blütenpflanzen. Sie sind spezialisierte Nektarsauger. Mit den richtigen Blüten lockt man Schmetterlinge an. Die ausgewachsenen Falter sind nicht ganz so wählerisch wie die Raupen. Sie geben sich unter Umständen auch mit exotischen Zierpflanzen zufrieden. Einer der zugkräftigsten Schmetterlingsmagneten ist gar ein Exot: Auf den Schmetterlingsstrauch oder Sommerflieder (Buddleja davidii) fliegen alle Tagfalter der Umgebung und auch eine grosse Zahl der Nachtfalter.

Die Blumenwiese – ein rar gewordener Lebensraum

Als Bewohner ursprünglich blumenreicher Grünflächen leiden die Wiesenfalter (u.a. Aurorafalter, Schachbrett, Goldene Acht, Kleines Wiesenvögelchen, Schornsteinfeger, Ochsenauge) besonders unter der industriellen Landwirtschaft. Die Intensivierung hat aus ehemals blütenreichen Wirtschaftsflächen schnellwüchsige, artenarme Grasmonokulturen entstehen lassen. Mit den Blütenpflanzen verschwanden viele geeignete Eiablageplätze für Schmetterlinge. Ein anderes Problem liegt im Rhythmus der Mahd. Die meisten Wiesenflächen der konventionellen Landwirtschaft werden drei- bis fünfmal gemäht, wobei der erste Schnitt meist schon Mitte Mai erfolgt, weil das Gras zur Silagegewinnung dient. Die zeitliche Wahl des Heuschnitts entscheidet aber mit über das weitere Vorkommen der Wiesenfalter.

Die Brennnessel – ein «Schlaraffenland» für Raupen

Die Brennnessel ist für sechs der schönsten Tagfalterarten die Hauptfutterpflanze. Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Admiral und Landkärtchen ernähren sich im Raupenstadium ausschliesslich von den Blättern der Brennnessel. Brennnesseln sind weit verbreitete und häufige Pflanzen. So ist es nicht überraschend, dass die von den Brennnesseln lebenden Schmetterlingsarten zu den häufigsten Vertretern im Garten gehören. Allgemein sind Brennnesseln als Futterpflanzen im Insektenreich sehr beliebt: Neben Falterraupen lassen sich Wanzen, Käfer und Heuschrecken, aber auch Schnecken an ihnen beobachten.